Vom 6. bis 9. November 2026 treffen sich im Falling Walls Science House in Berlin über 2.000 Köpfe aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Für Startup-Gründer und Investoren ist vor allem der erste Tag spannend: 25 Science-Startups aus aller Welt pitchen vor einer Jury aus VCs und Konzern-Innovationschefs. Wir stellen das Format, die Finalisten und die Chancen zum Investoren-Kontakt vor.
Was ist der Falling Walls Science Summit?
Der Falling Walls Science Summit ist eine der führenden internationalen Konferenzen für Wissenschaft und Innovation in Europa. Er findet seit 2009 jedes Jahr rund um den 9. November in Berlin statt, dem Jahrestag des Mauerfalls, und stellt stets dieselbe Leitfrage: Welche Mauern fallen als nächstes in Wissenschaft und Gesellschaft? Veranstalter ist die gemeinnützige Falling Walls Foundation, zu der auch die Berlin Science Week gehört.
Die 18. Ausgabe läuft vom 6. bis 9. November 2026 unter dem Motto „Free Science for Humanity“. Erwartet werden mehr als 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Forschungsminister aus mehreren Ländern und über 100 internationale Universitätspräsidenten. Zum Vergleich: 2025 kamen 2.270 Gäste, 774 Speaker aus 88 Ländern und mehr als 600 Institutionen zusammen, verteilt auf 134 Sessions. Partnerland ist in diesem Jahr Kanada, das mit einem eigenen Pavillon vertreten ist.
Warum die Konferenz für Gründer besonders wertvoll ist
Die meisten Startup-Konferenzen in Deutschland sind von Gründern für Gründer gemacht: Es geht um Wachstum, Marketing, Fundraising und Skalierung. Falling Walls funktioniert anders. Hier präsentieren Forscherinnen und Forscher ihre Durchbrüche selbst, oft Jahre bevor daraus ein Produkt wird. Wer als Gründer mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund wissen will, welche Technologien in fünf Jahren Märkte verändern, bekommt hier einen Blick in die Pipeline, den es sonst nur in Fachjournalen gibt.
Genau an dieser Schnittstelle liegt für viele die größte Chance: Spitzenforschung trifft auf Menschen, die daraus Unternehmen bauen können. Michiel Scheffer, Präsident des Boards des European Innovation Council (EIC), bezeichnet Falling Walls als für ihn bestes Event in Europa, wenn es um Early-Stage-Entwicklung geht, und dieser Einschätzung würden wir zustimmen.
Dazu kommt die politische Dimension. In Berlin sind unter anderem Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Bundesbildungsministerin Karin Prien, der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume und Staatssekretär Thomas Jarzombek aus dem Digitalministerium angekündigt, ebenso Minister und Staatssekretäre aus Dänemark, Frankreich, Nigeria, Kanada, Mexiko und der Schweiz. Für Deep-Tech-Gründer, deren Geschäftsmodell von Förderprogrammen, Regulierung oder öffentlichen Aufträgen abhängt, sind das relevante Gesprächspartner.
Das Programm im Überblick: vier Tage, drei Formate
Der Summit ist klar strukturiert:
- 6. November – Falling Walls Pitches: Der Startup- und Talent-Tag. Hier pitchen die 25 Finalisten von Falling Walls Venture (Science-Startups), 100 Finalisten der Falling Walls Labs (Nachwuchsforscher mit Drei-Minuten-Pitches) und 15 Finalisten von Falling Walls Engage (Wissenschaftskommunikation). Für Venture-TV-Leser ist das der wichtigste Tag.
- 7. und 8. November – Falling Walls Circle: Paneldiskussionen, Round Tables und Executive Tables mit Wissenschaftlern, Politikern und Wirtschaftsvertretern zu den großen Herausforderungen unserer Zeit.
- 9. November – Science Breakthroughs of the Year: Das große Finale am Jahrestag des Mauerfalls. Die Preisträger in den Kategorien Physical Sciences, Life Sciences, Engineering & Technology, Social Sciences & Humanities, Art & Science und Women’s Impact Award präsentieren ihre Durchbrüche, ebenso die Gewinner der Pitch-Wettbewerbe vom 6. November.
Circle-Sessions mit Startup-Relevanz
Aus dem Circle-Programm am 7. und 8. November sind für Gründer und Investoren vor allem diese Sessions interessant:
„Europe’s Innovation Ecosystems: Who Funds Breakthroughs?“ (7. November, Curie Stage) stellt die Frage, wer in Europa nicht nur Forschungsprojekte, sondern die Ökosysteme finanziert, die Ideen in den Markt tragen. Auf dem Podium sitzen unter anderem Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, Thomas Forner, Gründer des Fusions-Startups Focused Energy, Lene Oddershede, Chief Scientific Officer der Novo Nordisk Foundation, EIT-Vorstand Heinrich M. Arnold und Darya Kamkalova von Venturing Women.
„Europe’s Tech at Scale: Critical Mass for Global Leadership“ (8. November, Curie Stage) diskutiert, ob grenzüberschreitende Allianzen Europa die kritische Masse für Deep Tech verschaffen können, mit der dänischen Wissenschaftsministerin Christina Egelund, EPFL-Präsidentin Anna Fontcuberta i Morral und Thierry Coulhon vom Institut Polytechnique de Paris.
Weitere Plenary Tables behandeln die Verteidigung wissenschaftlicher Freiheit angesichts geopolitischer Spannungen, Wissenschaftsdiplomatie mit Afrika, die Resilienz demokratischer Gesellschaften (unter anderem mit Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt) und die Frage, wie Universitäten geopolitische Risiken managen, ohne sich aus der internationalen Zusammenarbeit zurückzuziehen.

Falling Walls Venture: Der Pitch-Wettbewerb für Science-Startups
Falling Walls Venture ist seit 2013 der Startup-Wettbewerb der Stiftung. Teilnehmen können nur Startups, die auf wissenschaftlicher Forschung basieren, mindestens einen Prototyp oder Proof of Concept vorweisen, nicht älter als fünf Jahre sind und von einer Institution nominiert wurden, etwa einer Universität, einem Forschungsinstitut, Accelerator oder Inkubator. Eine Selbstbewerbung ohne Nominierung ist nicht möglich. Das sorgt für eine Vorauswahl, die man bei offenen Pitch-Wettbewerben so nicht findet.
Der Weg nach Berlin läuft in mehreren Stufen: Aus allen Nominierungen entsteht zunächst eine Shortlist, die „Top 100 Science Start-ups to Watch“. Daraus wählt ein Advisory Board 25 Finalisten in drei Clustern: Engineering of the Future, Health Solutions und Sustainability. Bewertet werden Innovationsgrad, kommerzielles Potenzial, Businessplanung und Präsentation, Wirkungsbreite und Teamzusammensetzung.
Die 25 Finalisten pitchen am 6. November live auf der Bühne des Science House. Nach den Pitches kürt die Jury je einen Cluster-Gewinner und aus diesen dreien den „Falling Walls Science Breakthrough of the Year“ in der Kategorie Science Start-ups. Dieses Startup präsentiert am 9. November noch einmal auf der großen Bühne neben den Preisträgern der Wissenschaftskategorien.
Was die Finalisten bekommen: Unterkunft und ein Teil der Reisekosten werden übernommen, dazu gibt es vollen Zugang zum gesamten Summit samt Networking-Formaten, professionelle Video- und Fotoaufnahmen des Pitches für die spätere Investorenansprache sowie Sichtbarkeit über die Kanäle der Stiftung. Seit 2013 haben mehr als 275 Finalisten auf der Bühne gestanden; zu den Alumni gehören unter anderem Proxima Fusion, Alice & Bob, Tubulis, Reverion, Aignostics und Q.ANT, also Namen, die später große Finanzierungsrunden eingesammelt haben.
Wie Startups auf Investoren treffen
Der eigentliche Wert für Gründer liegt weniger im Titel als im Publikum. Die Venture-Pitches finden vor einer Jury statt, die ganz überwiegend aus Investoren und Konzern-Innovationsverantwortlichen besteht. 2026 sitzen unter anderem in der Jury:
- Venture Capital: Angelika Vlachou (Partnerin, High-Tech Gründerfonds), Christian Nagel (Mitgründer und Partner, Earlybird Venture Capital), Marcus Remmers (Partner, Novo Holdings), Antti Vasara (Venture Partner, Kvanted) und Corinna Sinzig (Head of Ventures & Programs, JUNI).
- Corporate Venture und Industrie: Detlev Mennerich (Global Head, Boehringer Ingelheim Venture Fund), Matthias Müller (EVP R&D, SCHOTT), Oscar-Werner Reif (CTO, Sartorius), Wolfram Münch (Leiter F&E, EnBW), Klemens Brunner (Heraeus) und Detlef Berner (Rolex).
- Weitere: Stefan von Holtzbrinck (CEO Holtzbrinck), Andreas Zaby (SPRIND) und James Spall, CTO des Vorjahressiegers Lumai.
Zusätzlich lädt die Stiftung ausgewählte VCs ins Publikum ein; genannt werden unter anderem HV Capital, der Boehringer Ingelheim Venture Fund und Planet A Ventures. Jeder Pitch wird durch eine Q&A-Runde mit der Jury ergänzt, Gespräche setzen sich in den Pausen und bei den Networking-Formaten des Summits fort. Wer als Investor ein bestimmtes Finalisten-Team kennenlernen möchte, kann sich zudem direkt von der Stiftung vorstellen lassen. Für die Finalisten selbst ist der Summit damit faktisch ein viertägiges Investoren- und Partnernetzwerk, nicht nur ein zehnminütiger Auftritt.
Auch Unternehmen nutzen das Format gezielt zur Scouting-Arbeit: Mit SCHOTT sucht die Stiftung in diesem Jahr ausdrücklich nach Startups mit neuartigen Materiallösungen, Boehringer Ingelheim ist langjähriger Partner im Life-Science-Bereich.
Rückblick 2025: Wer gewonnen hat
Im vergangenen Jahr setzte sich Lumai aus Oxford durch, ein Spin-out, das KI-Berechnungen mit optischen statt elektronischen Prozessoren beschleunigen und drastisch energieeffizienter machen will. Lumai gewann sowohl den Cluster Engineering of the Future als auch den Gesamttitel. Cluster-Gewinner wurden außerdem Collimate Health aus Deutschland (Krebsbestrahlung mit hochdosierten Mikrostrahlen, Health Solutions) und Unbound Potential aus der Schweiz (skalierbare Flow-Batterien, Sustainability). Insgesamt gingen 2025 mehr als 400 Bewerbungen ein.
Die 25 Finalisten 2026: Wer in Berlin pitcht
Aus mehr als 200 Bewerbungen hat das Advisory Board in diesem Jahr 25 Startups aus 14 Ländern ausgewählt. Deutschland stellt mit sieben Teams die größte Gruppe, darunter das Laser-Bohr-Startup Hades aus München, das DLR-Spin-off InSpace Propulsion Technologies, der RWTH-Ableger leitspalt mit einem neuartigen Batteriekern, die Berliner CAR-T-Zelltherapie-Firma CARTemis sowie noah labs mit einem Stimm-Biomarker für Herzpatienten. International reicht die Bandbreite von Quantenchip-Reparatur (Arkeon Technologies, Schweden) über einen Endometriose-Test aus Menstruationsblut (Diamens, Österreich) und Organkonservierung über sieben Tage (Apersys, Schweiz) bis zu CO2-Entnahme aus Meerwasser (Brineworks, Niederlande) und gezüchtetem Baumaterial (Tattva, Großbritannien).
Die Pitches am 6. November laufen nach Clustern: vormittags Sustainability, mittags Engineering of the Future, nachmittags Health Solutions. Alle 25 Finalisten mit Technologie, Herkunftsinstitution, Finanzierung und Links stellen wir in einem eigenen Beitrag vor: Diese Startups pitchen beim Falling Walls Science Summit 2026.

Tickets, Livestream und praktische Hinweise
Der Falling Walls Science Summit ist offen für alle Interessierten, Tickets gibt es im offiziellen Ticketshop auf falling-walls.com. Das Studententicket für alle vier Tage kostet 519 Euro, reguläre Tickets liegen entsprechend darüber.
Startups, die selbst 2027 auf der Bühne stehen wollen, sollten sich den Zeitplan merken: Der nächste Global Call for Science Breakthroughs öffnet im Februar 2027, die Nominierungsfrist lag in diesem Jahr am 15. April. Nötig ist eine Nominierung durch eine Universität, ein Forschungsinstitut, einen Accelerator oder Inkubator; bewerben können sich Startups mit wissenschaftlicher Basis, Prototyp und einem Gründungsdatum nach dem 1. Januar 2022. Wer sein Startup bereits einmal in Berlin gepitcht hat, kann nicht erneut teilnehmen.
Fazit
Der Falling Walls Science Summit ist keine klassische Startup-Messe, und genau das macht ihn für Gründer und Investoren wertvoll. Wer am 6. November im Science House sitzt, sieht 25 wissenschaftlich fundierte Startups, die ein Advisory Board aus über 200 Bewerbungen ausgewählt hat, und eine Jury, die zu großen Teilen aus genau den Investoren besteht, die diese Unternehmen in den nächsten Jahren finanzieren könnten. An den Folgetagen diskutieren Forschungsminister, Universitätspräsidenten und Innovationsagenturen darüber, wie Europa aus Forschung Wettbewerbsfähigkeit macht. Für alle, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Unternehmertum arbeiten, ist Berlin Anfang November der richtige Ort.

