6.000 Teilnehmer, 320 Speaker, drei Bundesministerinnen und -minister – und eine klare Botschaft: Deutschland muss jetzt zum „Transformationsgewinner der nächsten Dekade“ werden.

Berlin, März 2026 – Wenn sich an einem Mittwochmorgen Mitte März die die Check-Ins der STATION Berlin öffnen, ist eigentlich schon klar, wohin die Reise geht. Zwei Tage lang verwandelt sich das denkmalgeschützte Industrieareal am Gleisdreieck in das wohl wichtigste B2B-Event für die digitale Wirtschaft in Deutschland. Die TRANSFORM, das Leadevent des Digitalverbands Bitkom, hat am 18. und 19. März 2026 zum dritten Mal in diesem Format stattgefunden – und mit mehr als 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Rekordbeteiligung erzielt.
Rekord statt Routine
Zum Vergleich: Im Vorjahr 2025 kamen rund 5.000 Besucher, ein Zuwachs um gut 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Das Wachstum ist bemerkenswert – und es zeigt, dass digitale Transformation in deutschen Chefetagen kein Nischenthema mehr ist. Auf drei Bühnen boten 320 Sprecherinnen und Sprecher über 200 Stunden Programm: Keynotes, Panels, Workshops, Masterclasses. Dazu eine Expo mit Hands-on-Demos, eine Startup Area mit Prototypen zum Ausprobieren und kuratierte Networking-Formate.
Die Mischung aus Kongress, Messe und Werkstatt ist das, was die TRANSFORM von klassischen Branchenevents unterscheidet. Wer wollte, konnte morgens einen Vortrag zum EU AI Act hören, mittags einen humanoiden Roboter testen und abends mit dem CEO eines DAX-Konzerns ins Gespräch kommen.

Die Bühne gehört der Wirtschaftselite – und der Bundesregierung
Eröffnet wurde die TRANSFORM 2026 von einem Quartett, das für sich genommen schon die Schlagzeile wert war: Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst, Bayer-CEO Bill Anderson, Siemens-CEO Dr. Roland Busch und Commerzbank-CEO Dr. Bettina Orlopp. Ein breiteres Industriebündnis ist auf einer Bühne kaum vorstellbar – vom Pharmakonzern über die deutsche Industrieikone bis zur Großbank.
Auf der politischen Seite hatte Bitkom ebenfalls hochkarätig geladen. Mit Dr. Karsten Wildberger (Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung), Bärbel Bas (Bundesministerin für Arbeit und Soziales) und Karin Prien (Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) sprachen drei Mitglieder des Bundeskabinetts in Berlin. Auch Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, war vor Ort. Die Signalwirkung ist offensichtlich: Die Politik will sichtbar sein – und die Wirtschaft hört zu.

Die inhaltlichen Schwerpunkte: KI, Souveränität, Resilienz
Inhaltlich drehte sich 2026 fast alles um drei Themenblöcke:
Künstliche Intelligenz in der Praxis. Wie bekommt man KI aus der Pilotphase in den Regelbetrieb? Wie lässt sich der ROI messen? Wie integriert man Large Language Models in bestehende Geschäftsprozesse, ohne die Compliance zu gefährden? Die TRANSFORM 2026 war weniger eine Bühne für visionäre KI-Rhetorik als vielmehr ein Praxislabor – mit konkreten Use Cases aus Mittelstand und Industrie.
Digitale Souveränität. Ein Begriff, der auf fast jeder Bühne fiel. Wie reduziert Deutschland seine Abhängigkeit von amerikanischen und chinesischen Plattformen? Welche Rolle spielen europäische Cloud-Anbieter, welche Rolle Open Source? Die Diskussion hat sich gegenüber 2025 hörbar verschärft – und zugleich pragmatisiert. Statt pauschaler Entkopplung geht es jetzt um gezielte Resilienz an kritischen Stellen.
Sicherheit und Resilienz. IT-Sicherheit war kein separater Track mehr, sondern Querschnittsthema. Vom Rechenzentrum bis zum Produktionsroboter – die Frage, wie Systeme angreifbar bleiben und dennoch ausfallsicher funktionieren, zog sich durch das gesamte Programm.
Parallel-Konferenzen im Rahmen der TRANSFORM
Wie schon in den Vorjahren liefen zwei Spezialkonferenzen im Windschatten der Hauptbühne:
Am ersten Tag die Digital Office Conference mit Fokus auf den praxisnahen Einsatz digitaler Technologien in Büroanwendungen – Stichwort: Wie macht man aus verteilten Teams, Dokumentenbergen und fragmentierten Tools ein funktionierendes, KI-gestütztes Arbeitssystem?
Am zweiten Tag die Work & Culture Conference, die sich Fragen der digitalen Arbeitswelt widmet: New Work, Führung in hybriden Teams, Diversity, mentale Gesundheit. Hier wurde besonders deutlich, dass digitale Transformation kein reines Technologiethema ist, sondern vor allem ein kulturelles.

Startup-Highlight: SLAPStack und PiAS education gewinnen Innovators‘ Pitch
Traditionell ist der Innovators‘ Pitch einer der Publikumsmagneten der TRANSFORM. 2026 standen die Bereiche Education und Logistics im Fokus. Als Sieger wurden SLAPStack aus Dortmund (Logistics) und PiAS education aus Leipzig (Education) ausgezeichnet.
Beide Startups hatten ihre Ideen vor einer Fachjury und einem Publikum aus Investoren, Corporates und digitalen Pionieren präsentiert. Die Startup Area selbst war im Vergleich zum Vorjahr erkennbar gewachsen – ein Indiz dafür, wie gezielt Corporates mittlerweile auf der TRANSFORM nach Kooperationspartnern suchen.

Wintergerst: „Mehr Begeisterung für Veränderung“
In seiner Abschlussrede schlug Bitkom-Präsident Wintergerst einen bemerkenswert optimistischen Ton an. Er verwies auf eine aktuelle Bitkom-Studie, nach der 93 Prozent der befragten Unternehmen angeben, dass ihnen die Digitalisierung Vorteile gebracht habe – und nur 5 Prozent Nachteile sähen. Seine Schlussfolgerung: Deutschland brauche „weniger Angst vor und mehr Begeisterung für Veränderung“.
Der Anspruch, den er in Berlin formuliert hat, ist groß: Deutsche Unternehmen sollen zu den „Transformationsgewinnern der nächsten Dekade“ werden. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich nicht auf Konferenzbühnen – aber die TRANSFORM 2026 hat gezeigt, dass das Momentum zumindest da ist.
Fazit: Ein Pflichttermin für Entscheider
Die TRANSFORM 2026 war weniger Show als Arbeitsmesse. Wer konkrete Antworten auf konkrete Digitalisierungsfragen sucht, wer Partner, Tools oder Talente treffen will, findet hier einen dichter kuratierten Marktplatz als auf den meisten internationalen Tech-Events. Die Kombination aus C-Level-Publikum, Bundespolitik, Forschung und Startup-Ökosystem ist in dieser Konzentration einzigartig in Deutschland.
Die nächste Ausgabe ist bereits terminiert: Die TRANSFORM 2027 findet am 17. und 18. März 2027 erneut in der STATION Berlin statt. Wer dabei sein will, sollte sich den Termin schon jetzt vormerken.

