Axel Hesse: Wer ist der RTL Secret Millionaire wirklich?

Axel Hesse ist der Secret Millionaire in der gleichnamigen RTL-Show. Doch was steckt wirklich hinter der TV-Person Axel Hesse? Ist er wirklich Millionär? Und warum treibt es den Gutscheinpony-Betreiber immer wieder ins TV? Venture TV hat den hyperaktiven Hamburger (und mittlerweile Wahl-Berliner) ganze 20 Minuten an den roten Ledersessel gefesselt und bringt Licht ins Dunkel. Wir sagen nur: „Bim Bam!“

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Axel Hesse – Das Interview im Volltext

Venture TV: Herzlich willkommen bei Venture TV! Ich sitze hier heute mit Secret Millionaire Axel Hesse. Axel, das ist ja irgendwie cool, dass wir uns mal treffen, weil wir arbeiten ja beide – oder haben gearbeitet –  für die deutsche Internetszene und da das eine oder andere Interview geführt. Jetzt machen wir mal ein Interview zusammen.

Axel Hesse: Ja, das freut mich auch insbesondere und ist ganz mein Vergnügen.

Venture TV: Sehr schön, sehr schön. Und es gibt ein Thema, über das wir in erster Linie sprechen werden. Das ist Deine TV-Show oder Dein Auftritt bei RTL. Da bist Du Secret Millionaire, spielst in einer RTL-Show mit, die so heißt. Darüber erzählen wir jetzt gleich mal so ein bisschen, darüber erzählst Du uns, was passiert. Vorher gibt es natürlich noch die Frage: Die Meisten kennen Dich als das Gutscheinpony.

Axel Hesse: Ja genau, in der Person. Ich trage auch normalerweise wahlweise Kostüme.

Venture TV: Das ist ja ganz gut, dass Du heute in „normal“ da bist.

Axel Hesse: Deswegen, das ist die Ausnahme.

Venture TV: Gut, gut. Die Frage ist natürlich, was passiert denn mit dem Gutscheinpony? Du bist jetzt immer mehr im TV unterwegs. Gibt es da jetzt irgendwie Notschlachtung und dann ab die die Tiefkühllasagne mit dem Pony, oder?

Axel Hesse: Ja, so weit ist es zum Glück noch nicht. Also aktuell ist aus dem Pony zum Glück jetzt kein schlachtreifes Vieh geworden, sondern eher ein Rennpferd. Von daher sind wir ganz glücklich. Wir haben ja mit Meindeal und mit dem Schnäppchenfuchs uns im letzten Jahr sehr vergrößert, haben jetzt halt dadurch ein sehr schönes App dazu gewonnen und einen sehr schönen Blog und sind sehr glücklich, dass wir so wachsen konnten, gehen auch in andere Länder, haben auch in anderen Ländern Zukäufe schon gemacht, die aber nicht öffentlich kommuniziert wurden bislang. Also von daher bin ich ganz froh. Im Grunde wird der Ponyhof größer und ist jetzt kein Schlachtbetrieb, also eher das Gegenteil. Ich bin ganz glücklich.

Venture TV: Gut, gut. Da hilft ja vielleicht auch irgendwie die Medienpräsenz ein bisschen weiter. Denn wenn Du zu sehen bist, so ein bisschen positive Effekte gibt es ja bestimmt schon, oder?

Axel Hesse: Ja, kann man schon sagen. Die Einen oder Anderen googeln das natürlich und ich bin ja mit dem Gutscheinpony im Grunde direkt verbunden. Das heißt, wenn die Leute meinen Namen googeln, kommen sie automatisch auch mit dem Pony in Berührung. Ja, das ist schon ein Effekt.

Venture TV: Die Show Secret Millionaire – erzähl doch mal, worum es geht. Was machst Du da?

Axel Hesse: Also in dem Format, was halt in den USA und in England sehr erfolgreich schon lange Jahre in vielen Staffeln schon läuft, geht es darum, dass man aus seinem normalen Lebensumfeld rausgenommen wird und halt in Gebiete gesteckt wird, wo sehr viele Menschen Hilfe benötigen, ja in so Problemvierteln. Und in meinem Falle war es halt hier in Hamburg-Wilhelmsburg, was als Problemviertel ja bekannt ist. Hamburg als meine alte Heimat war dann insofern ganz passend. Also ich hatte da wenig, sage ich mal, Unterschiede im Akzent. Also wäre ich jetzt nach Bayern gekommen, hätte ich wahrscheinlich Probleme gehabt. Aber das war ganz gut. Ja, Du wirst losgeschickt, auf Eigeninitiative Menschen zu helfen, gehst in Institutionen und machst den gesamten Ablauf, der in diesen Institutionen stattfindet, mit, komplett. Und das aber mit einer anderen Identität, dass Du die Leute auf Augenhöhe halt triffst. Du fährst dann nicht irgendwie mit dem Rolls-Royce Phantom vor und sagst: „Ja, ich würde euch gerne unterstützen.“ Dann ist das halt keine Sache, die – ja, wie soll ich sagen – auf Augenhöhe ja stattfindet. Dann würden die Leute Dich ja ganz anders wahrnehmen. Das heißt, man geht also undercover in diese Institutionen rein und macht alles mit. Also ich habe alles mitgemacht.

Venture TV: Jetzt ist das nicht das erste Mal, dass Du Dich positionierst als Millionär. Es gab irgendwie in n-tv in „deluxe“, da warst Du unterwegs. Dann „Auf und davon“ bei Vox gab es. Diese Positionierung, so als Millionär, ist ja keine so ganz unclevere. Es gibt draußen so ein paar kritische Stimmen, die sagen irgendwie: „Klar Secret Millionaire, weil richtiger Millionär ist er ja auch gar nicht. Da muss er erst Secret sein.“

Axel Hesse: Mehr Secret als Millionär.

Venture TV: Mehr Secret als Millionär, ganz genau. Was sagst Du dazu?

Axel Hesse: Ja, kritische Stimmen gibt es ja zuhauf, gibt es ja immer. Letztlich ist es so, das ist ja ein Titel, der von den Medien gewünscht wird. Weil nur dieser Begriff Millionär polarisiert ja schon mal automatisch. Der ist ja nicht von mir freiwillig gewählt oder so, weil ich mir das ausgedacht habe, sondern das ist offensichtlich ein Name, der automatisch immer Fragen aufwirft, in meinem Falle natürlich immer umso mehr. Ich kenne das ja auch aus der Vergangenheit. Die Frage wird sich, glaube ich, bis an mein Lebensende irgendwie stellen.

Venture TV: Der Axel hat ja nur Partys gemacht und einen Gutscheinblog irgendwie und das war es. Ja, wo sollen die Millionen herkommen? Wo kommen die Millionen her, sozusagen? Du weißt es am besten.

Axel Hesse: Ja, ich weiß es am besten. Es ist ja so, dass die Meisten dazu neigen, ja immer im Bundesanzeiger nachzuschauen oder halt im Handelsregister und sagen: „Ja, keine Ahnung, der Jahresabschluss 2009 war ja unterirdisch, bla, bla, bla.“ Das sind natürlich immer sehr akribische Recherchen, die die Leute anstellen, vergessen dabei aber, dass es ja so was gibt, wie treuhänderische Beteiligung. Oder generell der Begriff „treuhänderisch“ bedeutet ja, dass ich an Dingen auch beteiligt bin, wo ich gar nicht möchte, dass sie durch eine Personensuchmaschine oder durch Google sofort ersichtlich sind, weil ich dadurch ja Wettbewerbsvorteile abgebe. Wenn jeder meinen Namen eingibt und sofort sieht: Ja, da macht er dies, da macht er jenes, da macht er welches, dann habe ich ja keine Möglichkeit mehr, Dinge vorzubereiten, die ich für vertraulich erachte. Und deswegen ist es so, ich behandele meine privaten Vermögensumstände genau so, wie jeder andere auch. Ich denke, dass jeder auch nicht sagt, wie viel er auf dem Girokonto liegen hat, wie viel er in seinem Sparstrumpf liegen hat oder ob er mal hier eine Eigentumswohnung hat oder vielleicht irgendwo noch einen Oldtimer in der Garage stehen hat. Wenn ich jemanden so wahllos fragen würde: „Ja, wie viel hast denn Du auf dem Girokonto liegen?“, würde sich jeder auch unsittlich berührt fühlen und sagen: „Ja, das ist aber eine taktlose Frage.“ In meinem Falle ist es bei mir wiederum so, dass sich jeder darüber mehr Gedanken macht, als um das Eigentliche, was man macht. Zum Beispiel jetzt bei Secret Millionaire ist es ja so, man hilft. Und da ist, finde ich, der Fokus eher darauf, dass man ja Geld spendet und auch nicht unerheblich. Und dieses Geld kommt aus der eigenen Tasche, das ist jetzt kein Sendergeld. Und ich finde, da sollte mehr der Focus drauf liegen, was man mit dem Geld Gutes tun kann. Und in dem Fall ist es ja auch so, dass ich im Nachgang, nach diesem Format auch weiter mit meiner, sage ich mal Foundation, oder wie man diese Hilfsorganisation denn auch nennen möchte, den Leuten auch zukünftig weiter helfen werde.

Venture TV: Okay, also Du engagierst Dich weiter. Du trittst ja immer sehr cool auf. Was viele nicht wissen ist, dass Du tatsächlich auch so eine, ich sage mal, softe Seite Axel Hesse hast. Die Arbeit mit Leuten, denen es nicht ganz so gut geht, ist Dir gar nicht so fern. Du hast Zivildienst, glaube ich, gemacht in der Altenpflege.

Axel Hesse: Ja, ich bin ja inzwischen so alt wie die Ostsee. Und das bedeutet, früher war es ja noch so, Du musstest ja zwangsweise entweder Bundeswehr machen oder Zivildienst. Und ich habe damals eineinhalb Jahre Zivildienst gemacht. Das ist wirklich eine lange Zeit. Und ich habe in der Altenpflege gearbeitet und ich war Rettungssanitäter. Das heißt, mit Menschen umzugehen, die in Notsituationen sind, das habe ich mein Leben lang gemacht, auch nach dem Zivildienst noch. Und das sind natürlich Dinge, die Dich prägen. Denn das ist auch die Erfahrung, die ich aus diesem Experiment gezogen habe: Menschen zu helfen, hilft Dir selber auch. Weil es gibt heutzutage ja wenig Situationen, die dir ein sehr gutes, positives Gefühl geben. Aber wenn Du siehst, dass Deine Hilfe beim Menschen ankommt – ich will da eine Sache mal sagen, das war so ein ganz krasses symbolisches Ding. Ich habe in einer Institution gearbeitet, „Café mit Herz“ heißt das, das ist in St. Pauli. Und jeden Mittag kommen da über 200 Leute, die dort Essen sich abholen, weil sie Hunger haben. Und das musst Du Dir vorstellen. Etwas wie Hunger und so, ich meine, wann hast Du das letzte Mal Hunger gehabt. Da sagst Du: „Ja gut, ich bestelle mir was oder ich koche mir schnell was.“ Aber bei den Menschen ist das so, sie haben Hunger und sie können sich eben nichts zu Essen holen. Und wenn Du einem hungernden Menschen Essen gibst, das ist total krass. Also, das ist einer von den ganz bewegenden Momenten, die so nachhaltig in Erinnerung bleiben, weil diese Grundbedürfnisse bei anderen Menschen einfach gar nicht gedeckt sind. Und wir beschäftigen uns mit Sachen, ja, wo hast du dies, wo hast du das? Das tut ja nachher gar nichts mehr zur Sache.

Venture TV: Wo geht es denn hin eigentlich mit Axel? Bleibst Du der Internetszene treu oder machst Du jetzt tatsächlich immer mehr TV?

Axel Hesse: Ja, wir haben jetzt sehr viele Projekte, die im TV anstehen, auf jeden Fall. Also erst mal macht das ja jede Menge Spaß. Da ich eh so ein grundneugieriger Mensch bin und viele Dinge einfach ausprobieren möchte, verfolge ich das weiter. Und ich sehe halt, und das ist der für mich positivste Effekt, ich weiß ja um meine Verhaltensauffälligkeiten, die ich selber habe, so. Und meine klare Erfahrung ist, dass man am besten mit Menschen zurechtkommt, die einen ähnlichen Batterieschaden haben wie man selbst. Da fällt einem der eigene erst mal nicht mehr so auf, das ist schon mal der erste Vorteil. Und der nächste Vorteil ist, man trifft auf gleich gesinnte Menschen, die halt auch bereit sind, neue Dinge mit einem zu machen, wo man sagt: „Mensch, cool.“ Man fühlt sich einfach in der Umgebung von gleich gesinnten Menschen ja nicht nur viel wohler, sondern man kann auch neue Ideen kreieren. Und ich werde halt dadurch, dass man irgendwie in gewissen Formaten erscheint, von Menschen angesprochen, die sich halt wiedererkennen und sagen: „Ey, der ist irgendwie anders als andere Kinder vielleicht, aber vielleicht unterhaltsam. Und irgendwie ein paar Sachen scheint er ja hinzukriegen. Mit dem möchte ich mal in Kontakt treten.“ Und das ist der hauptsächlich positive Effekt, der dabei auftritt, dass man wirklich Leute mit demselben Dachschaden trifft. Das ist total geil. Also ich habe viele positive, energiereiche Menschen getroffen, die auch was bewegen wollen.

Venture TV: Klingt spannend, tatsächlich. Also ich bin mal gespannt, was wir noch von Dir hören, ja, Axel im TV und auch, wie sich das auswirkt. Es gibt ja auch die Theorie, dass Du einfach nur lange genug erzählen musst, dass Du Millionär bist, erfolgreich bist und dann ist das tatsächlich so. Die Geissens haben das auch erfolgreich gemacht, man weiß nicht wie.

Axel Hesse: Die haben ja schon auch Kohle.

Venture TV: Ja genau, glaubt man ja schon irgendwie, also durch Verkauf von Uncle Sam und so was. Aber das fände ich tatsächlich mal spannend, inwieweit so eine self-fulfilling prophecy auch eintritt: Ja, Positionierung als Millionär und auf einmal – Medien validieren.

Axel Hesse: Das würde ja unterstellen, dass es halt noch nicht so ist.

Venture TV: Oder dass es halt noch weiter nach oben geht, um mal nicht ganz so böse hier was unterstellen zu wollen.

Axel Hesse: Ich sehe das total entspannt. Die Frage ist ja immer, woran macht man das fest? Also, wenn wir mal die Definition von Millionär nehmen, so, dann gibt es ja sehr dehnbare Definitionen, wie bei so vielen Sachen im Leben. Und die Frage ist, ist es Einkommensmillionär, Immobilienmillionär, was weiß ich. Wenn ich jetzt sage, ich baue irgendwie ein Haus auf dem platten Land und irgendwann werden da Einkaufszentren drum gebaut und das Haus steigt im Wert und so, kann man es vielleicht nicht direkt verkaufen. Aber man würde ja sagen, man ist irgendwie Millionär, weil laut Gutachten ist das so und so viel wert und so weiter. Wenn man jetzt sagt, okay, ein Wirtschaftsprüfer, ein Steuerberater sagt: „Bei dem und dem Umsatz, bei dem und dem EBITA, bei den und den unterschiedlichen Beteiligungen bleibt im Jahr so und so viel übrig und so weiter.“ Dann würde man sagen, ja, das hat einen Wert von so und so viel Millionen oder wie viel auch immer. Es ist ja immer eine Frage, was ist der Maßstab? So. Und was die Leute als Maßstab nehmen, ist mir ehrlich gesagt eigentlich einerlei. Weil ich habe dieses Experiment gemacht, was ja auch sehr, sehr kostspielig war, jetzt nicht aus Selbstdarstellungsgründen. Es geht mir darum, dieses Experiment verleitet einen, Dinge zu tun, die man normalerweise nicht gemacht hätte. Du kannst nicht unter so krassen Bedingungen die ganze Zeit durchhalten, wenn da nicht ein äußerer Druck ist, von wegen: Du musst weitermachen, Du kannst hier nicht schlappmachen wegen TV, das geht nicht. Das ist ja so, ich glaube, ist ein doofer Vergleich, aber im Dschungelcamp ist es ja auch so, die können ja auch nicht schlappmachen. Da würde ich jetzt nicht hingehen wollen.

Venture TV: Damit wir das auch schon mal geklärt.

Axel Hesse: Genau, das wollen wir vermeiden. Nein, aber heutzutage ist es doch so, wir leben doch ein einer sehr komfortablen Situation. Und aus dem Liegestuhl bewegt man sich relativ selten raus. Um also eine Grenzerfahrung zu machen, brauchst du äußere Einflüsse. Und das war in meinem Falle halt so: Dieses Experiment war für mich eine sehr große, emotionale Bereicherung und hat mir sehr viele neue Erkenntnisse gebracht, die mir im Leben zukünftig einfach helfen. Und das hätte ich so nicht gewonnen. Denn im Normalfall begibt man sich nicht in solche Situationen, das macht man einfach nicht.

Venture TV: Das Endziel, die Vision Axel Hesse, da machst Du Dir sicher auch irgendwie dann und wann mal Gedanken darüber. Was ist denn das? Bist Du im TV und baust da Deine Präsenz aus oder fährst Du irgendwann wieder zurück und machst wieder irgendwelche Gründungen? Was gibt es so für eine Vision, Axel in 15 Jahren steht wo?

Axel Hesse: Also Internet ist für mich sowieso das Nonplusultra. Ich möchte weiter Menschen helfen, das ist zum Beispiel auch sehr interessant. Leute, die selber eigene Ideen haben, eigene Firmen haben, die sagen: „Ja, ich möchte nicht unbedingt zu irgendwelchen institutionellen Investoren, ich möchte nicht unbedingt zu irgendwelchen verschiedenen Investorengruppen.“ Da gibt es ja verschiedene, wir alle kennen die Namen. Weil das nichts mehr mit Anteilnahme oder mit, wie soll ich sagen, Verbundenheit zu tun hat, sondern da geht es ja nur noch rein um Zahlen, bring das nach vorne, es geht immer nur um Kohle. Aber es hat nichts damit zu tun, dass Du Leidenschaft für etwas entwickelst, dass Du mit Leuten auch einfach zusammen Dich wohlfühlst. Das Meiste ist halt nur: Ja, die geben mir Geld und vielleicht kriege ich hier noch mal einen Kontakt und das war es. Ich merke aber, dass die Leute auf mich zukommen und sagen: „Ja, wir wollen gar nicht irgendwie so riesig Geld, aber wir glauben, dass wir irgendwie von Deiner Art mehr haben, als jetzt rein vom Geld.“ Und das bringt mir halt selber auch Freude. Weil ich habe sehr viele schlechte Erfahrungen ja auch in meinem Leben gemacht und wäre immer froh gewesen damals, wenn da jemand gewesen wäre, der gesagt hätte: „Du, da solltest Du aufpassen, lass Dich lieber mit solchen Menschen nicht ein oder diesen Schritt solltest Du lieber anders machen oder denk noch mal so drüber nach.“ Ich habe für meine Erfahrungen sehr teuer bezahlt und die waren halt auch nicht immer gut und die haben mich auch oftmals an den Rand des Existenzminimums gebracht, wo ich selber auch nicht mehr wusste, wie ich klarkam. Aber ich habe dann aufgrund meiner eigenen Willenskraft es geschafft. Und ich möchte halt zukünftig immer weiter Firmen gründen. Und mein Wunsch ist auf jeden Fall: Ich möchte mit einer meiner Firmen unbedingt Weltmeister werden. Mein erklärtes Ziel ist es, das steht auch in meinem Wunschbuch drin – ich habe ja ein Wunschbuch, wo ich alle meine Wünsche seit 15 Jahren eintrage und bislang haben sich alle diese Wünsche erfüllt – und da steht halt unter anderem drin, dass ich Weltmeister werden möchte und ich arbeite halt daran. Das kann auch sein, dass sich das halt nicht erfüllt, das weiß man nicht. Aber ich habe auf jeden Fall den starken Willen, es zu versuchen. Und das ist immer das Wichtigste, immer versuchen.

Venture TV: Da klingt ja so eine kleine esoterische Seite auch raus, mit Wunschbuch. Das finde ich irgendwie ganz spannend, dass Du sagst, es hat sich auch bis jetzt alles erfüllt.

Axel Hesse: Auf jeden Fall.

Venture TV: Ist das ein Tipp irgendwie an andere Gründer, einfach das mal konkret festzuhalten, schriftlich oder so?

Axel Hesse: Ja, also es hilft ja. Jeder kann das ja irgendwie für sich ausmachen. Wenn Du etwas aufschreibst, verinnerlicht sich ja das Geschriebene stärker in Deinem Unterbewusstsein. Und bei mir ist es so, meine große Schwäche ist, dass ich total unkoordiniert bin.  Ich habe null Struktur, überhaupt nicht, habe aber jede Menge Unsinn, der mir im Kopf rumspringt. Und den versuche ich halt immer, so zu Papier zu bringen. Und dadurch, dass ich dann meine Gedanken besser ordne, ist es halt so, dass sich diese Ziele, Wünsche, Träume viel besser erfüllen. Und ich habe diese persönliche Erfahrung seit 15 Jahren. Das ist nichts, was ich mal im Film gesehen habe oder gelesen habe oder so. Das sind nur meine Erfahrungen. Und ich selber kann das nur Leuten nahelegen, das auch zu machen. Und ich habe das Feedback bislang von Menschen bekommen, dass sie gesagt haben, dass es ihnen auch halt hilft. Und wenn Du dann ab und an noch mal so nachschlägst, dann ist es halt so, dass Du so ein richtiges Glückgefühl entwickelst, wenn Du siehst, dass Du einen Wunsch halt durchstreichen kannst. Und mit Wunsch meine ich nicht: Ich bestelle mir noch einen Espresso. Das ist jetzt keine richtige Herausforderung. Sondern Wunsch ist nach meinem Ermessen so weit weg, wie der Mond. Das ist so meine Definition davon. Und das müssen keine materiellen Wünsche sein, von wegen, ich brauche einen dicken Wecker oder ein Riesenauto, sondern halt auch immaterielle, emotionale Wünsche und so. Und was ich vorhin gesagt habe mit den gleich gesinnten Menschen, das habe ich mir zum Beispiel auch aufgeschrieben in meinem Wunschbuch, dass ich halt viele gleich gesinnte Menschen treffen möchte. Denn es ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass das, was Dich glücklich macht, sind viele soziale, tief greifende Beziehungen. Und da brauchst Du auch kein Geld, da kannst Du nur eine Badehose anhaben. Wenn Du viele gute Freunde hast auf diesem Planeten, dann bist Du gut drauf und es geht Dir blendend. Dann ist scheißegal, ob es regnet oder die Sonne scheint. Ist völlig scheißegal.

Venture TV: Gut, klingt spannend. Da ist ja vielleicht auch das Eine oder Andere für Euch dabei. Wunschbuch schreiben, vielleicht hilft es ja auch. Bald seid Ihr bei RTL, der nächste Secret Millionaire.

Axel Hesse: Ganz genau. Ich kann auch den Castingkontakt geben. Ihr müsst bloß einen Nachweis geben, dass auch Geld da ist. Den musste ich auch bringen.

Venture TV: Wie viel? Das sagst Du nicht, wie viel Du nachweisen musstest?

Axel Hesse: Ja, Du musst nachweisen, dass Du Millionär bist, sonst kommst Du gar nicht rein. Es kann ja nicht sein, wenn Du Geld spendest, dass es nachher auf einmal heißt: Oh, das gab eine Rücklastschrift. Das wäre ein bisschen doof.

Venture TV: Bevor alle Leute draußen losgehen und jetzt irgendwelche Gutscheinportale klonen, weil sie glauben…

Axel Hesse: Das machen sie eh. Es ist zu spät.

Venture TV: Das stimmt, es gibt wahrscheinlich schon 50 draußen. Aber, wenn Du jetzt sagst, okay, Secret Millionaire wird man mit Gutscheinportalen…

Axel Hesse: Also es gelten auch andere Sachen.

Venture TV: Bevor Ihr draußen losgeht, kurze Einschätzung zum Gutscheinmarkt. Der war ja mal super, das ging ja so richtig ab. Und mittlerweile gibt es irgendwie die ersten Partnerprogramme, die sagen: „Nein, Gutscheinportale, denen zahlen wir keine Provision mehr.“ Wie sieht denn der Gutscheinmarkt aus? Lohnt sich das noch, durchzustarten da oder vielleicht lieber nicht mehr?

Axel Hesse: Zu dieser Zeit auf keinen Fall, kann ich keinem raten. Das kannst du vielleicht als Student machen, der irgendwie suchmaschinenmäßig ein Megabrain ist. Aber ich glaube, dass die Energie in vielen anderen Bereichen viel besser aufgehoben ist. Also ich würde das nicht noch mal machen, nicht zu diesem Zeitpunkt, dafür ist der zu schlecht gewählt. Es ist aber das Henne-Ei-Problem. Die ganzen Merchands sagen: „Ja, wir sind ja die Megamarke, der Kunde wäre doch sowieso zu uns gekommen und hätte sowieso gekauft. Warum soll ich Euch Gutscheinportalen noch eine Provision geben?“ Also, es ist immer dieselbe Leier. Es ist aber so, wenn Du siehst, in den USA und in England – jetzt schau Dir doch mal das Sortiment an, von einem Otto und einem Amazon als Beispiel. Das ist ja identisch, da gibt es doch keinen Unterschied. Der Kunde in den Ländern USA und UK ist aber so flexibel, dass er sagt: „Du, wenn der eine Merchand keinen Gutschein hat, dann gehe ich zum anderen. Das Sortiment ist eh dasselbe. Ich gehe dahin, wo ich sozusagen meinen Nachlass kriege.“ Und warum kaufen die Leute online? Wegen der Preisreduktion. Ein Einkaufsgefühl habe ich doch sowieso nicht, wenn ich online shoppen gehe. Also deswegen hilft mir nur der Preis bei der Entscheidung. Und deswegen glaube ich, dass früher oder später irgendwann bei den deutschen Konsumenten auch die Erkenntnis einkehrt, dass sie sagen: „Ey, wenn Ihr keinen Gutschein habt, warum soll ich denn zu Euch hingehen? Ich habe doch keinen richtigen Mehrwert dadurch. Dann gehe ich doch zu Eurem Konkurrenten, da kriege ich einen.“ Und ich warte noch, dass die Erkenntnis flächendeckend einkehrt.

Venture TV: Wer weiß, ob es kommt? Vielleicht auch nicht.

Axel Hesse: Hoffentlich erleben wir es und nicht nur die nachfolgenden Generationen.

Venture TV: Gut, gut. Ja, ein bewusst mal etwas ausführlicheres Interview mit Dir, mit Axel Hesse. Die Verabschiedung würde ich Dir gerne überlassen, weil ich glaube, keiner verabschiedet Zuschauer so wie Du.

Axel Hesse: Ach so, ja. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle für Deine Zeit, es hat mich sehr gefreut. Es war auch eine sehr große Ehre, weil ich weiß, Du machst das schon sehr lange und hast da sehr großen Vorbildcharakter. Das muss man einfach auch mal klar sagen an dieser Stelle. Und jeder sollte auf jeden Fall auch dauerhaft als Erkenntnisgewinnung und so für sich, um sich vorzubereiten für die Gründerszene oder wenn er was plant, immer natürlich Dein Format sehen, weil es einfach das Geilste ist. Und Du hast da auch ein Alleinstellungsmerkmal, was es so in Deutschland ja nicht gibt. Deswegen würde ich sagen, vielen Dank noch mal und an dieser Stelle: „Bim Bam!“

Venture TV: Sehr gut, sehr gut. Besten Dank, Axel.

Axel Hesse: So, Attacke und bis zum nächsten Mal. Auf Wiedersehen!